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DüsseldorfSaftige Zinsen vom Marktführer verspricht die Voelkel GmbH den Zeichnern ihres Nachrangdarlehens. Ab einer Summe von 1.000 Euro konnten Anleger zum Jahreswechsel 2016 auf 2017 dabei in den Anbieter von Frucht- und Gemüsesäften im Biofachhandel investieren.

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Für fünfeinhalb Jahre Laufzeit boten die Saftpresser drei bis fünf Prozent Zinsen an. Der Deal wurde erfolgreich über die Finanzierungsplattform Media geschlossen. Das Fintech-Unternehmen mit Sitz in Wien ist im gesamten deutschsprachigen Raum und der Slowakei tätig. Über die Plattform wurden bislang rund 40 Millionen Euro in mittelständische Firmen „mit guter Bonität“ investiert, heißt es bei Finnest.

Diese Zahl lässt sich auf zwei Weisen interpretieren. Zum einen zeigt sie, dass im Crowdinvesting zunehmend Musik steckt – auch wenn die Summen pro Anleger oft nur wenige Tausend Euro ausmachen. Zum anderen aber zeigt sie auch, dass das Volumen, verglichen mit herkömmlichen Finanzierungsquellen, immer noch verschwindend gering ist.

Hinzu kommt: Aktuell gibt es wenig Bedarf für mittelständische Unternehmen, via Crowdfunding neue Kapitaltöpfe zu erschließen. Deutschlands Unternehmen schwimmen im Geld. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote lag 2016 bei 27,7 Prozent, meldete die DZ Bank Anfang 2018 in ihrer Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“.

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Das ist nahezu eine Verdoppelung verglichen mit dem Schnitt der Jahre 2001 bis 2010. „Ein großer Anteil der Mittelständler finanziert sich mittlerweile aus dem eigenen Cashflow und profitiert nur wenig oder sogar gar nicht von den günstigen verfügbaren Krediten“, sagt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken.

Aktuell klagt laut der DZ-Bank-Studie nur einer von zehn Mittelständlern über schwierige Finanzierungsbedingungen. Die Zahl dieser unzufriedenen Firmenchefs dürfte steigen, wenn eines Tages doch die Zinsen signifikant steigen. Vor diesem Hintergrund erscheint es zumindest überlegenswert, sich mit neuen Finanzierungsangeboten zu beschäftigen.

Joerg Bartussek, einer von zwei Geschäftsführern bei Finnest, macht sich und der Branche selbst Mut: „Das Interesse von kleinen und mittleren Unternehmen an alternativen Finanzierungsinstrumenten ist gewachsen und damit auch an Crowdinvesting. Dennoch ist noch viel Luft nach oben.“

Hoffnung ziehen Bartussek und Co. aus einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte, bei der 244 Unternehmen mit jeweils zehn Millionen Euro Umsatz und im Schnitt 65 Mitarbeitern befragt wurden.

Danach stellt für rund zwei Drittel die Finanzierung eine beachtliche Hürde dar. „Die Regularien, die infolge der Bankenkrise kamen, führen selbst bei den besten mittelständischen Unternehmen vermehrt zu Finanzierungsengpässen. Daher wollen sich viele Firmen nicht mehr ausschließlich auf den klassischen Kredit verlassen“, sagt Bartussek. Laut der Deloitte-Studie befasst sich ein gutes Drittel mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten.

Mit Media wollten die Gründer 2012 den Weg der Buchung eines Hotelzimmers revolutionieren. Erstmals hatte der Kunde die Möglichkeit, den Preis für seine Übernachtung in einem ausgewählten Hotel selbst zu bestimmen – nicht der Hotelier. Bittere Realität: im August 2013 teilte das Start-up mit, dass die Betandsleep GmbH nicht mehr fortbestehen wird. 161 Schwarm-Investoren hatten zusammengelegt und 100.000 Euro gesammelt. Ihr Geld: futsch.

(Foto: Seedmatch.de)

Über die Crowdfunding-Plattform Companisto hatte das Start-up Sportrade im Oktober 2013 von über 400 Geldgebern rund 100.000 Euro eingesammelt. Anfang 2014 dann die Insolvenz des Sportartikel-Händlers.

Das Start-up Vibewrite schlitterte Ende 2014 in die Insolvenz. Die Idee: ein Digital-Stift, der Handschrift mit Bewegungssensoren erkennt und somit das Geschriebene digital nutzbar macht. Über Seedmatch kamen damals von 551 Investoren stattliche 560.250 Euro zusammen – nur drei Monate vor der Pleite.
(Foto: Screenshot)

Insolvenz musste im März 20014, nur zwei Jahre nach Gründung, auch das Münchner Food-Start-up Foodiesquare anmelden, das unter anderem Überraschungsboxen mit exklusiven Lebensmitteln lieferte. Über die Plattform Seedmatch hatten die Gründer damals in zwei Crowdrunden von 664 Investoren über 530.000 Euro eingesammelt.

(Foto: Seedmatch.de)

Beim Start-up Tollabox, das 2013 über die Plattform Seedmatch 600.000 Euro von Anlegern einsammelte, ging es ums spielerische Lernen. Im Februar 2015 dann die Insolvenz. Der Grund: Geldmangel. Tollabox hatte 2014 fast eine halbe Millionen Euro Verlust gemacht – bei 600.000 Euro Umsatz. Bitter war die Pleite auch für die 600 Crowdinvestoren…

Rund 1,1 Millionen Euro steckten mehr als 1000 Anleger in den einstigen Crowd-Star Returbo, dessen Gründer ihr Projekt damals auf der Plattform von Companisto.de eingestellt hatten. Die Idee dahinter: Retouren, Fehlproduktionen und B-Ware von Online-Shops weiterverkaufen. Im Oktober meldete das Berliner Start-up dann nach einem Absatzeinbruch Insolvenz an. Die Anleger gingen allesamt leer aus. Im Januar 2017 kündigte das Rocket-Start-up Home24.de an, Returbo für 17.000 Euro zu kaufen und die 33 Mitarbeiter zu übernehmen.
(Foto: Media

Design-Entwürfe und eine Community, die darüber abstimmt – das war das Konzept der Online-Modeplattform Front Row Society. Anlegern war das Berliner Mode-Start-up 500.000 Euro wert. Inzwischen ist die Firma insolvent, Ende Oktober 2016 meldete die Plattform Zahlungsunfähigkeit an.
(Foto: Screenshot)

Befassen heißt aber nicht zwingend auch machen. Erfahrungen mit Crowdinvesting hat bisher erst ein Prozent der von Deloitte befragten Unternehmer. Bartussek interpretiert die Zahlen auf seine Weise: „Wenn wir uns vor Augen führen, dass erst ein Prozent der Unternehmer Erfahrungen mit Crowdinvesting gemacht hat, aber 31 Prozent davon ausgehen, dass es künftig eine wichtige Rolle spielen wird, kann man sich das Potenzial dieses Segments gut ausmalen – es wird sich vervielfachen.“

Auch die vermeintlich sehr aufgeschlossenen Start-ups machen um Crowdfunding und Crowdinvesting bisher noch einen Bogen. Das ergab kürzlich die Studie „Start-up-Unternehmen in Deutschland“. Die Berater von PwC ließen dafür 1.000 Entscheider in Start-up-Unternehmen befragen.

Gerade einmal zwei Prozent der Befragten haben Crowdfunding für die nächste Finanzierungsrunde fest eingeplant. Die beabsichtigte Nutzung von Venture Capital liegt mit mageren fünf Prozent nur knapp darüber. Selbst unter den Start-ups dominiert die Kreditfinanzierung: Wenn die Firmen in nächster Zeit Geld aufnehmen möchten, dann will das laut der PwC-Studie gut jede zweite über einen klassischen Kredit tun.

Andreas Peters, Rechtsanwalt und Partner bei GSK Stockmann in Hamburg, warnt: „Solange Deutschland und Europa es nicht schaffen, deutlich mehr Risikokapital zu generieren, wird der natürliche Weg vieler unserer erfolgreichen Wachstumsunternehmen weiterhin letztlich in die USA und künftig auch nach Asien führen.“

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